Rezensionen:

Rezension vom 7.01.2010, Öffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach:

Rezension Allgemeine Zeitung, Bad Kreuznach:

   

Jetzt oder nie!
Liebevoll gepfelgte Selbstgerechtigkeit
Allgemeine Zeitung Bad Kreuznach vom 2.12.2008,
Autor Fred Lex

Das Leben kann echt häßlich sein. Es fordert von uns öfters als uns lieb ist, klare Entscheidungen. Und dann heißt es: jetzt oder nie! Wie wir uns auch immer verhalten werden: sowohl das "jetzt" als auch das "nie" kann richtig sein. Dumm ist nur: in den meisten Fällen lassen sich die Folgen unseres Handelns nicht voraussehen. Anders bei Ulrike Piechota. Die Schriftstellerin aus Bad Münstrer am Stein beschreibt in 25 so genannten 'Alltagsgrotesken' mit Humor, Ironie und mildem Spott, wohin es führen kann, wenn wir uns so oder so entscheiden, zeigt also beide Möglichkeiten. "Jetzt oder nie" heißt auch der Titel ihres Taschenbuches.

 
Manchmal steckt der Stoff für einen Roman in ihren Geschichten. Zum Beispiel im Fall von Amalie, die ihrem Ehemann Albert beim Handwerken die Leiter hält und in diesem Moment den Lebensfilm vor ihrem inneren Auge vorbeiziehen läßt. Warum hatte sie Albert vor vierzig Jahren eigentlich geheiratet? Jetzt könnte sie die Leiter loslassen und ein neues Leben beginnen.  Das wäre der Ansatzpunkt füreinen epochalen Rückblick auf eine gescheiterte Ehe. Doch Ulrike Piechotas Texte sind gottlob von ganz anderer Natur. Die Autorin wählt die satirische Kurzgeschichte, in der sie im Verlauf einer spannenden Inszenierung schnell auf die Pointe zusteuert.

 
Bisweilen kommen uns ihre Geschichten bekannt vor. Haben wir das nicht selbst schon mal erlebt? Die Autorin liegt mit ihren Texten tatsächlich immer nah am Alltag. zum Beispiel im Fall des Spaziergängers Jasper, der zwei Kinder beim Naturfrevel ertappt und nun gerne der ganzen Familie eine umweltpädagogische Standpauke halten möchte oder in Bezug auf die Gartenbesitzerin Ottilie, die ein raffiniertes Konzept entwickelt um Ball spielende Nachbarskinder zu vertreiben. Der Leser bekommt es mit Menschen zu tun, die liebevoll ihre Selbstgerechtigkeit pflegen und es nicht an Belehrungen für ihre Mitmenschen fehlen lassen. 

 
Immer wieder widmet Ulrike Piechota auch Pfarrern ihre Aufmerksamkeit, besodners wenn es sich um Persönlichkeiten handelt, die mit ihrem ausgeprägten Gefühl für Respekt auf simple Bedürfnisse des Alltags stoßen. Etwa wenn in einem Haus der Kirche ein Mensch eine Toilette aufsuchen will, wozu er nicht priviligiert ist.

  Dass die Autorin alle diese Befindlichkeiten unserer Mitmenschen durchschaut und mit liebenswürdigem Spott begleitet, macht den besonderen Unterhaltungswert dieser Geschichten aus. Wie bei den "Leiden des alten Wärther", einer ähnlich amüsanten Sammlung menschlich-allzumenschlicher Eigentümlichkeiten, mit der die Autorin im vorigen Jahr an die Öffentlichkeit trat, wird auch ihre diesjährige Arbeit für anhaltende Aufheiterung sorgen.

_______________________


Wärthers Leiden - zum Lachen
MH, Wochenspiegel, Ba, 21.11.2007


Das Altern ist ein ernst zu nehmender Prozess, ohne Zweifel. Doch überall, wo
Ernst in Ausweglosigkeit abzusinken droht, gibt's auch Rettung. Sie naht uns zum Beispiel in Gestalt von Ulrike Piechota, die in ihrem neuen Buch diesen ganz besonderen Lebensabschnitt einer ganz besonderen Betrachtung unterzieht, nämlich im Licht des Humors. Sie lässt uns in kurzen Szenen auf 154 Seiten teilhaben an den "Leiden des alten Wärther", eines 80-jährigen, leicht cholerischen Herrn, und gibt damit denen, die sich bereits im Seniorenstand befinden oder auf dem Weg dorthin sind, Gelegenheit zu einem Lesevergnügen der besonders heiteren Art. Im hohen Alter hat Adalbert Wärther die "Leiden des jungen Werthers", Goethes Bestseller von Anno dazumal, in die Hand genommen. Er ärgert sich über den jungen Werther, der sich aus Liebeskummer erschossen hat. Was ist schon Liebeskummer gegen die Leiden, denen sich ein alter Mensch ausgesetzt sieht. Da sind zum Beispiel die schrecklichen Stiche im Magen- und Herzbereich, die kein Arzt erklären will. Natürlich, die Doktoren haben doch die Alten längst abgeschrieben. Nimmt überhaupt einer die Alten noch für voll? Adalbert Wärther zweifelt daran und bekommt überall eine Bestätigung seiner These. Im Seniorenkreis, wo bastelnde Witwen den einzigen Herrn mit stürmischem Beifall begrüßen, endet der Probebesuch mit seinem knallharten Ab- gang. Auch die liebevollen Empfehlungen der Sozialstation, zum Beispiel hinsichtlich eines altersgerechten Toilettensitzes, bringen Adalbert Wärther an den Rand der Tätlichkeit. Selbst der eigene Sohn kann nur hörbar aufseufzen, wenn der Vater wieder einmal an der Ungehörigkeit seiner Mitmenschen verzweifelt und beim Beerdigungskaffee mit der Faust auf den Tisch schlägt, dass es nur so spritzt. Ulrike Piechota zeichnet diese Szenen aus dem Alltagsleben des Seniorenstandes mit dem Gefühl eines Beobachters auf, der viel erlebt und sehr genau hingeschaut hat, aber nicht verzweifelt ist. Der widerborstige und rechthaberische Alte, der nach jedem Kapitel gebetsmühlenartig im Geist den jungen Werther abmahnt, bleibt unbelehrbar. Unter dem sanften Licht der Ironie und des Humors betrachtet gewinnen die Probleme des Alters jedoch eine reizvolle Verklärung und lösen am Ende ein behagliches Schmunzeln oder gar ein herzhaftes Lachen aus. Der Autorin ist es gelungen, uns Leser für die Ferien(aber auch darüber hinaus) mit einem Buch voller Verständnis, Menschlichkeit und Heiterkeit zu versorgen.

Die Titelillustration des Piechota-Buches stammt von ihrer Tochter, Sonja Piechota-Schober. - -

Im Goetheschen Schaffenswerk ist für jedermann etwas zu finden. Diese Aussage wurde vor fünfundsiebzig Jahren von Thomas Mann konstatiert. Aus damaliger Sicht betrachtet, wurde der Universalgelehrte uralt. Doch wie geht es heute einem Menschen, der vor der Lebenskrise des "sich-mit-dem-Altsein-abfinden-müssen" und der letzten Station Altenheim steht und nicht Goethe ist? Diesem Thema hat sich Ulrike Piechota in ihrem neuesten Buch "Die Leiden des alten Wärther" angenommen. In zweiundzwanzig kurzen Abschnitten wird dem Leser die Welt eines Achtzigjährigen eröffnet. Auf humorvolle wie liebevolle Weise hat Piechota den eigenbrötlerischen alten Kauz Adalbert Wärther porträtiert. Bewusst wählte sie den Titel in Anlehnung an Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther", in dem sich die junge Hauptfigur wegen Liebeskummer erschießt. Der alte Wärther hingegen ist keiner, der bei der Wahrheit gleich zum Revolver greift. Wärther hält seine Leiden und die Reaktionen seiner Umwelt auf das Alter bis zuletzt aus. Ein Held, weil er sich dem Leben stellt. Das Buch zeigt hemmungslos den Verfall des Alters auf, bleibt dabei jedoch immer auf Seiten des Protagonisten. Es ist diese Aufrichtigkeit, die die humane Qualität der Erzählung ausmacht und dem Alter eine Stimme gibt. Der personale Erzähler spiegelt dem Leser dabei Wärthers Perspektive wider. Ein gerüttelt Maß an Witz steckt trotz der garstigen Ernsthaftigkeit in dem Roman,der zum Lachen reizt. Durch frische Alltagssprachlichkeit und übertrieben dargestellte Ängste vor dem Alter, schafft es Piechota ihrem Roman eine Empfindsamkeit zu verleihen, die für den Leser in größeres Verständnis für Ältere gipfeln könnte. …